Spiele für zwei Personen: Unsere Flitterwochen-Favoriten
- 17. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Juli

Mal so richtig Urlaub machen, das kann bei jedem Menschen ganz unterschiedlich aussehen. Manch eine:r möchte am liebsten drei Städte und fünf Museen gleichzeitig besuchen, für andere bedeutet Urlaub eher stilles Wandern durch die Natur. In meiner Familie ist wiederum der Liege-, Lese- & Langeweile-Urlaub ganz oben auf der Liste und ich lieb's sehr, denn ich persönlich komme nur zur Ruhe, wenn mich auch Ruhe umgibt.
Was bei unseren Reisen aber niemals fehlen darf, sind Spiele! Egal ob schnelle Kartenspiele, Spiele mit Block und Würfeln oder stundenlange Boardgame-Brecher: Alles wird eingepackt. Inzwischen braucht es dafür tatsächlich schon einen ganzen Curver und wir sparen lieber an Socken (moralisch vertretbar), Sonnencreme (gesundheitlich schwierig) und Unterhosen (moralisch nicht vertretbar).
In unseren Flitterwochen in Belgien haben wir dieses Mal allerdings nur drei Spiele mitgenommen, um auch noch Platz für Kamera, Gouache und Skizzenbücher zu haben. Die drei Spiele wurden tatsächlich täglich gespielt und so können wir sie nach dieser intensiven Testphase wahrlich weiterempfehlen.
Bei dieser Mischung ist nicht nur für alle Urlaubs- sondern auch für alle Spieletypen etwas dabei:
Spiel 1: Heimliche Herrschaft
Personen: 2-6 | Spieldauer: 15-30 Minuten | Ab: 10 Jahren

Zur Hochzeit von tollen Freund:innen geschenkt bekommen, wurde dieses Spiel natürlich direkt ganz oben in den Koffer gepackt.
Die Geschichte: Auf der Insel Oshra herrscht Chaos. Nach dem Tod des Kaisers kämpfen vier Parteien um die Vorherrschaft: die Hügelstämme (grün), die kaiserliche Armee (rot), das Seevolk (blau) und die Untoten (schwarz). Verkörpert werden sie durch einzigartige Charaktere, die auf jeder Karte zu finden sind. Von der „biromantischen Bardin“ über den „vegetarischen Walhai“ bis hin zum „schlottrigen Schützen“ ist alles dabei, was das Herz begehrt.
Spielprinzip und Siegbedingungen: Die Figuren, die man in seine Crew aufnehmen – also vor sich auf den Tisch legen – kann, sind unheimlich detailreich gestaltet und mit viel Witz illustriert. Doch welcher Fraktion sollte man nun – mal verdeckt, mal offen – seine Treue schwören? Welche Kreaturen in welchen Farben sollte man in seine Crew aufnehmen? Die Antwort darauf liefert eine Karte, die man zu Beginn des Spiels verdeckt zieht: Sie bestimmt eines der sechs Kinder des Kaisers, dessen Thronbesteigung man anschließend durch geschicktes Kartenbauen unterstützen muss.
Fazit: Neben der wirklich besonderen Gestaltung, dem humorvollen Figurendesign und den liebevoll ausgearbeiteten Namen der einzelnen Charaktere macht das Spiel auch spielerisch richtig viel Spaß. Möglichst unentdeckt handelt man im Sinne seiner gezogenen Startkarte und versucht, beim Wettstreit um den Thron nicht von den anderen Mitspieler durchschaut zu werden.
Das Spiel ist für zwei bis sechs Personen ausgelegt. Wir finden es aber besonders zu zweit oder zu dritt kurzweilig und spannend.
Spiel 2: Kniffel Duell
Personen: 2 | Spieldauer: 10-20 Minuten | Ab: 6 Jahren

Ebenfalls zur Hochzeit geschenkt bekommen haben wir den Klassiker Kniffel, dieses Mal aber in etwas neuem, modernerem Gewand, nämlich in der Duell-Variante.
Die Geschichte: ...die gibt es hier natürlich nicht. Kein Kaiser ist gestorben, keine Crew muss akquiriert werden. Trotzdem bietet das Spiel deutlich mehr Dynamik, als sein etablierter Vorgänger.
Spielprinzip und Siegbedingungen: Kniffel Duell funktioniert im Grunde wie das klassische Kniffel, allerdings mit zwei entscheidenden Neuerungen: Neben den zweimal fünf Würfeln (mitgeliefert) und zwei Würfelbechern (nicht mitgeliefert, also haben wir ganz professionell mit AirBnB-Papp-Zahnputzbechern gespielt) gibt es ein kleines Spielbrett, das den Wettkampf um die verschiedenen Würfelkombinationen sichtbar macht.
Auf diesem Brett finden sich die bekannten Kniffel-Ziele wie kleine Straße, Full House oder Dreierpasch. Für jedes dieser Ziele gibt es eine fünfstufige Leiste zwischen den beiden Spielenden. Ein Ansagestein kann dabei von der sicheren Seite des einen Spielers über eine Zwischenposition bis zur sicheren Seite des anderen Spielers wandern. Es gibt also drei Zustände: Liegt der Stein in der Mitte, konnte noch niemand ein Ziel für sich beanspruchen. Liegt er einen Schritt auf eine Person zu, hat diese sich das Ziel "reserviert".
Das Ziel ist also nicht nur, bestimmte Kombinationen zu würfeln, sondern sie dem Gegenüber auch wieder abzujagen. Würfle ich beispielsweise eine kleine Straße, bewege ich den Ansagestein auf der entsprechenden Leiste einen Schritt in meine Richtung. Die kleine Straße ist damit für mich reserviert. Schaffe ich es in einem späteren Zug erneut, eine kleine Straße zu würfeln, bevor mein Gegenüber den Stein wieder zurückbewegt, sichere ich sie endgültig. Die kleine Straße gehört dann mir und bringt mir einen Punkt.
Gewonnen hat, wer zuerst fünf Würfelziele für sich sichern konnte.
Fazit:
Das Spiel ist ziemlich barrierefrei und macht unerwartet süchtig. Natürlich ist immer noch viel Glück dabei, aber man fühlt sich durch den Duell-Charakter und die Möglichkeit, die Steine strategisch zu verschieben, deutlich selbstwirksamer als beim Klassiker.
Ein schönes Spiel für Zwischendurch und für Jung und Alt geeignet.
Spiel 3: Herr der Ringe Duell
Personen: 2 | Spieldauer: 15-30 Minuten | Ab: 10 Jahren

Die Geschichte:… dürfte wohl allen bekannt sein: Sauron und seine schlecht gelaunten Reiter gegen Frodo, Sam und alle, die noch ein bisschen Gutes im Herzen tragen.
Spielprinzip: Optisch hat mich das Spiel zunächst weder vom Look noch vom Spielaufbau wirklich abgeholt. Alles wirkte etwas angestaubt und gleichzeitig sehr voll und heterogen: Auf dem Cover, den Karten, den Spielelementen und dem Spielfeld passiert unglaublich viel. Doch der erste Eindruck täuscht! Sobald man das Spielprinzip verstanden hat, entpuppt sich das Spiel als extrem kurzweilig. Die Züge gehen schnell von der Hand und jedes einzelne Spielelement wirkt durchdacht und sinnvoll eingesetzt.
Eine Person übernimmt die Rolle der „Guten“, die andere spielt die „Bösen“ (Ich habe überdurchschnittlich oft Sauron gezogen; das sollte mir zu denken geben.). Obwohl sich die beiden Seiten thematisch natürlich stark unterscheiden, funktioniert der Spielablauf für beide Parteien fast identisch, sodass es kaum einen Unterschied macht, welche Seite man spielt.
Siegbedingungen: Es gibt insgesamt drei verschiedene Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen:
Der Ring muss zerstört werden: Auf einer Ringleiste bewegen sich Frodo und Sam auf der einen Seite und ein schwarzer Reiter auf der anderen. Die Hobbits müssen den Schicksalsberg erreichen und den Ring zerstören, bevor der Reiter sie einholt. Alternativ versucht die Gegenseite natürlich, genau das zu verhindern.
Verbündete sammeln: Durch grüne Karten können Verbündete gewonnen werden. Wer es schafft, alle sechs Verbündeten auf seine Seite zu bringen, entscheidet das Spiel für sich.
Die Schlacht gewinnen: Die dritte Möglichkeit besteht natürlich darin, die eigenen Truppen so geschickt zu befehligen, dass man auf dem Schlachtfeld die Übermacht gewinnt.
Das eigentliche Spielfeld entsteht dabei aus einem Muster aus verdeckten und offenen Karten. Diese werden nach einer Art Mahjong-Prinzip nach und nach eingesammelt. Das Ziehen einer Karte und die daraus entstehenden Konsequenzen bildet jeweils einen Spielzug.
Fazit:
Es ist das Spiel, das wir am häufigsten gespielt haben. Gerade die verschiedenen Siegbedingungen gewährleisten, dass jede Partie spannend bleibt. Highly Recommend!

Sehr schöner Artikel. Wir sind ja auch immer auf der Suche nach guten spielen für zwei, da kommt doch so ein Langzeittest gerade recht.