Rückblick auf mein erstes Kinderbuchprojekt: "Tavi und die riesengroße Angst"
- vor 13 Stunden
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Es ist schon einige Jahre her, dass ich vor meinem Laptop saß und mein Herz sich dachte: Jetzt wird’s aber wild hier. Die Anfrage eines Erlanger Kinderarztes war in meinem Postfach gelandet und ich weiß noch genau: Ich war außer mir vor Freude. Holm Schneider hatte mein Profil und das dazugehörige Portfolio auf der Plattform „Das Auge“ entdeckt und wollte mich als Illustratorin für sein neues Kinderbuch gewinnen.
Erste Male sind immer irgendwie besonders. Das merke ich auch jetzt noch, bei meiner ersten Veröffentlichung in einem großen Publikumsverlag, die in gut einer Woche in die Läden kommt (aaah!).
Damals, als ich die Anfrage von Holm las, hatte ich auch das Gefühl, dass ein großer Wunsch in Erfüllung geht. Als Kinder- und Jugendbuchillustratorin einen ersten Fuß in die Verlagstüren zu bekommen, ist kein einfaches Unterfangen. Umso dankbarer bin ich Holm und dem Neufeld Verlag noch immer dafür, dass ihre Türen für mich weit offen standen.
Auch wenn ich heute – mit deutlich mehr Erfahrung – vielleicht einiges anders angehen würde, möchte ich noch einmal zurückschauen: auf meine Arbeit, auf mein erstes Kinderbuch und auf all das, was mir bis heute Freude daran bereitet.
Zum Kinderbuch-Cover
Zum ersten Mal in meinem Leben saß ich 2023 an einem Coverentwurf und musste mir überlegen, wie Text, Format und Illustration zusammen funktionieren können. Und – Spoiler Alert – das klappte erstmal nicht so prächtig.
Ich hatte mich nicht ausreichend darüber informiert, welche Formatvorgaben und Besonderheiten der Verlag für ihre Buchcover vorgesehen hatte. Außerdem hatte ich weder für Tavi, das Protagonistenkind, noch für die personifizierte Angst eine echte Figurenexploration gemacht.

So ist Tavi auf diesen ersten Entwürfen noch deutlich zu alt für die Zielgruppe des Buches, und die Angst kommt mal schmalhalsig, mal eher rundlich und breit daher.
Auch nicht bedacht hatte ich, dass der Verlag im Rahmen seiner Corporate Identity für seine Titel immer eine Banderole vorsieht. Auf meinen beiden Entwürfen wäre dafür schlicht kein Platz gewesen. Und dass der Verlag keine illustrierten Fonts verwendet, wie ich es in diesen ersten zwei Versionen vorgeschlagen hatte, wusste ich ebenfalls noch nicht.
Generell stellte ich zu Beginn meiner Karriere einfach noch nicht die richtigen/wichtigen Fragen.

Je mehr ich mit Autor und Verlag ins Gespräch kam, desto klarer wurde mein Auftrag. Sowohl Tavi, als auch das Cover entwickelten sich in eine Richtung, die mir bis heute gefällt. Außerdem habe ich erkannt, dass es für mich sinnvoll ist, Cover ("U1") und die Buchrückseite ("U4") immer gemeinsam anzulegen. So hatte ich die Möglichkeit, eine durchgängige, zusammenhängende Illustration zu gestalten, die sich einmal um den ganzen Buchumschlag zieht. Titel- und Klappentext wurde dann durch einen Grafiker gesetzt.
Zum Kinderbuch-Innenteil
Wenn man an einem größeren Buchprojekt arbeitet, ist der Ablauf oft ähnlich: Zuerst gibt es erste terminliche und organisatorische Absprachen mit Lektor:innen, später folgen Meetings zu inhaltlichen Themen. Erst danach gestalte ich die Figuren und anschließend einen ersten Coverentwurf. Oft dauert es dann noch eine ganze Weile, bis ich mich an die sogenannten Inhaltsseiten setze, die immer erst einmal durchskizziert werden, um sinnvoll mit den betreuenden Lektor:innen abgesprochen werden zu können. Sind die Skizzen dann abgenommen, geht es schließlich in die Ausarbeitung: es folgen dann Kontur, Farbe, Schatten, Highlights und so weiter.
Bei Tavi und die riesengroße Angst war das allerdings etwas anders. Es gab weder einen Lektor noch eine Lektorin, die mir Feedback gaben, noch wusste ich damals über den typisch-professionellen Ablauf Bescheid, den ich eigentlich hätte einhalten sollen. Also arbeitete ich mal an Skizzen für die Inhaltsseiten, mal am Cover und finalisierte zwischendurch schon einzelne Illustrationen, ohne das gesamte Manuskript vorher einmal ordentlich durchskizziert zu haben.
Umso erstaunter bin ich heute, wie kohärent die Doppelseiten trotzdem zusammenpassen. Ich finde, einige davon sind mir wirklich gut gelungen. Besonders freut mich, dass ich es geschafft habe, besondere Layoutformate zu entwickeln und sie an die jeweiligen Texte anzupassen.
Beispiel 1 dafür ist die Doppelseite, die du auch schon oben als Beitragstitelbild gesehen hast. Im Text heißt es: „[Die Angst] rumpelte durch gemütliche Dörfer und muntere Städte, gefährlich wie eine Lawine.“ Schon beim Lesen wusste ich, dass ich die Angst gleich auf einer der ersten Doppelseiten – passend zum Titel – wirklich riesengroß in der Illustration zeigen wollte. Deshalb entschied ich mich dafür, sie größer als alle Häuser darzustellen.
Außerdem neigte ich alle Gegenstände (Bäume, Häuser, Menschen und Büsche) in eine Richtung. So wollte ich das Gefühl unterstützen, dass die Angst wie eine Lawine durch die Kleinstadt fegt.

Beispiel 2 ist diese Doppelseite hier:

In Holms Buch geht es um die Ängste, die Corona und die damit verbundenen Veränderungen bei vielen Kindern ausgelöst haben. Viele waren mit Maßnahmen wie dem Homeschooling oder dem Maskentragen überfordert. Und ich finde, diese Überforderung ist absolut nachvollziehbar: Auch wenn ich die Masken und viele der damaligen Schutzmaßnahmen aus medizinischer Sicht für sinnvoll und wichtig halte (!), haben solche großen Veränderungen natürlich Auswirkungen auf uns. Gerade für Kinder, die die Gründe dafür noch nicht vollständig begreifen können, kann eine plötzlich veränderte Lebenswelt verunsichernd und beängstigend sein.
Diese Doppelseite mag ich deshalb immer noch sehr gerne, weil sie das Konfrontative und Depersonalisierende des Maskentragens gut zeigt. Tavi steht hier vor der Frage: Was steckt hinter den Masken? Ein Lächeln? Ein missbilligender Blick? Ein Wort, das er durch den Stoff nicht versteht? Für ihn ist diese Erfahrung nicht einfach. Ich finde, das Layout greift diese Separierung gut auf.
Umso schöner ist es da aber natürlich, dass Tavi und die riesengroße Angst nicht nur von der Angst, vom Masken und Spielplatzverboten erzählt, sondern auch vom Mut... und davon, wie Musik und Gemeinschaft dabei helfen können, Ängste besser auszuhalten.
Tipp
Falls du nun Lust bekommen hast, mein erstes Kinderbuch noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, dann besuch doch mal den Neufeld Verlag oder schau dir das Werbevideo dazu auf YouTube an!

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